Ursachen und Entstehung des Borderline-Syndroms

Die Ursachen für eine Erkrankung an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind nicht eindeutig geklärt. Ursache hierfür ist sicherlich das breit angelegte, von Patient zu Patient unterschiedliche Krankheitsbild, welches keine eindeutigen und allgemeingültigen Aussagen zulässt, dennoch wurden verschiedene Entstehungsmodelle entwickelt. Das psychoanalytische Entstehungsmodell nach Kernberg beispielsweise bezeichnet das Krankheitsbild als Frühstörung. Denkmuster aus der Kindheit sind erhalten geblieben, unterschieden wird lediglich in „nur Gut“ und „nur Böse“, keine differenzierte Wahrnehmung des eigenen Selbst sowie der Realität ist möglich. Das Mentalisierungsmodell (Fonagy, Target) beschreibt die Entstehung von Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit, welche Auswirkungen auf die Fähigkeit zum sozialen Austausch sowie auf die Kontrolle der Affekte haben. Das neurobehaviorale Entstehungsmodell ist multifaktoriell ausgerichtet. Entwicklungsstörungen durch traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit sowie eine genetische Veranlagung bilden demnach die Grundlage für die Ausbildung der typischen Symptome der Borderline-Störung.

Traumatische Erlebnisse

Bei ca. 70% der Erkrankten können traumatische Erlebnisse in der Kindheit nachgewiesen werden. Häufig erlebten die Betroffenen in früher Kindheit den Verlust eines Elternteils durch Trennung oder Tod. Auch ein gestörtes familiäres Umfeld, in dem viele Konflikte auftreten und das dem Kind keine Sicherheit und Orientierung bietet, ist oftmals zu finden. Ein schwieriges Verhältnis zu den Eltern kann ebenso zu traumatischen Erfahrungen führen. Einerseits kann es sich um emotionale Vernachlässigung des Kindes, andererseits aber auch um überbehütendes Verhalten handeln. Insbesondere die emotionale Vernachlässigung in Kombination mit übermäßiger Strenge, auch durch den Begriff der „lieblosen Kontrolle“ beschrieben (Parker et al., 1979), sind stark belastende Faktoren. Die Erfahrung von Misshandlungen und Missbrauch in früher Kindheit ist schwer traumatisierend und bei vielen, wenn auch nicht bei allen, Borderline-Patienten zu finden. Es kommt zu einem starken inneren Konflikt, wenn die misshandelnde Person eigentlich geliebt wird, welcher zu einer Spaltung des „Ich“ (Dissoziation) führen kann. Traumatische Erlebnisse in der Kindheit können zusätzlich zu Schädigungen des limbischen Systems führen, welches der Verarbeitung von Emotionen und Affekten dient.

Genetische Veranlagung

Als Teil des multifaktoriellen Ansatzes wird ein Einfluss auf die Entwicklung der Borderline-Störung durch eine genetische Disposition angenommen. Genaue Untersuchungen stehen aus, jedoch wird vermutet, dass bestimmte, für die Entstehung des Borderline-Syndroms begünstigende Persönlichkeitsmerkmale vererbt werden können. Die Erkrankung muss nicht zwingend auftreten, es besteht für die Betroffenen jedoch ein erhöhtes Risiko, unter ungünstigen Umweltfaktoren (Traumata) eine Borderline-Störung zu entwickeln.Festzuhalten ist, dass nicht eine Ursache allein verantwortlich für eine Borderline-Erkrankung ist. Es handelt sich stets um eine Kombination von vielen Faktoren, welche über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben müssen.

Nicole Breuer

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